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Mit ECLASS zum Digitalen Produktpass: Ein Interview mit Carolin Prinz

Der Digitale Produktpass (DPP) ist ein zentrales Instrument der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie. Er soll künftig für mehr Transparenz entlang des gesamten Produktlebenszyklus sorgen – von der Herstellung über die Nutzung bis hin zum Recycling. Carolin Prinz vom ECLASS Head Office erklärt im Interview, warum der ECLASS Standard die ideale Grundlage für den Digitalen Produktpass ist und welche Vorteile sich für Unternehmen daraus ergeben.

Frage: Carolin, warum spielt der Digitale Produktpass aktuell eine so zentrale Rolle in der Industrie?

Carolin: Der Digitale Produktpass wird in den kommenden Jahren ein entscheidender Wendepunkt für nachhaltige Wertschöpfungsketten in Europa sein. Er enthält alle relevanten Informationen zu einem Produkt, von den Herstellungsdaten über die verwendeten Materialien bis hin zu den Reparatur- und Entsorgungsmöglichkeiten. Diese Daten werden digital und standardisiert allen am Lebenszyklus beteiligten Parteien zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich gibt es auch Sicherheitskonzepte und Rollenmodelle, sodass die Daten nur denjenigen angezeigt werden, die dazu berechtigt sind. 

Ab 2027 wird der Batteriepass als erster verpflichtender Produktpass eingeführt, weitere Produktgruppen folgen schrittweise. Unternehmen sollten sich deshalb bereits jetzt damit beschäftigen, wie sie ihre Daten über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg strukturiert und verfügbar machen können.

 

Frage: Welche Rolle spielt ECLASS in diesem Kontext?

Carolin: ECLASS ist ein internationaler Klassifikationsstandard und eine etablierte Lösung für standardisierte Produktdaten. Mit 48.000 Klassen und 23.000 Merkmalen ermöglicht ECLASS eine präzise, eindeutige und branchenübergreifende Beschreibung von Produkten und bildet somit die ideale Grundlage für den Digitalen Produktpass.

Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) empfiehlt ECLASS sogar ausdrücklich als solide Basis für den Aufbau eines DPP. Das zeigt: Wir sind technologisch und strukturell genau dort, wo die Regulierung hinwill.

 

Frage: Wie unterstützt ECLASS konkret die technische Umsetzung eines Digitalen Produktpasses?

Carolin: ECLASS verfolgt hauptsächlich den Ansatz des DPP4.0, um einen Digitalen Produktpass über die Asset Administration Shell (AAS) umzusetzen. Dabei handelt es sich um einen standardisierten digitalen Container für Produktdaten über den kompletten Lebenszyklus hinweg. 

Dieser Container wird mit ECLASS Strukturelementen gefüllt. Der DPP setzt sich im Grunde aus drei Komponenten zusammen: 

  • Produktidentifikation: Diese Informationen können mit dem AAS-Submodell „Nameplate/Typenschild” beschrieben werden. 

  • Produktbeschreibung: Hierfür können Application Classes aus der Klassifikation genutzt werden, um eine produktspezifische Beschreibung zu erstellen. 

  • Ökologische Informationen: Hierfür gibt es Vorlagen, zum Beispiel für den Environmental Footprint, General Battery and Manufacturer Information oder Circularity and Resource Efficiency

ECLASS unterstützt aber auch viele andere Austauschformate wie BMEcat, OPC UA oder GS1XML. Somit gibt es viele Möglichkeiten zum Austausch von Daten.

 

Frage: Was sind aus deiner Sicht die stärksten Argumente für ECLASS im DPP‑Kontext? 

Carolin: ECLASS ist ein etablierter Standard und bietet durch die vielen nutzbaren Austauschformate ein hohes Maß an Interoperabilität. Der Standard ist in 31 Sprachen verfügbar und wird weltweit von tausenden Unternehmen genutzt. Gleichzeitig ist er herstellerunabhängig und branchenübergreifend angelegt, sodass er verschiedene Industriesprachen in einer harmonisierten Struktur zusammenführt.

Auch Identifikationen wie GTIN oder DUNS lassen sich problemlos über ECLASS abbilden. 

ECLASS ist sehr aktiv in der internationalen und deutschen Normungswelt, formt die Normen mit und ist gleichzeitig normkonform. Somit stellt ECLASS eine zukunftssichere und robuste Basis dar, mit der sich Produktdaten konsistent, eindeutig und DPP-ready bereitstellen lassen.

 

Frage: Warum sollten Unternehmen jetzt handeln?

Carolin: Der regulatorische Rahmen für die Bereitstellung des DPPs ist bereits weitgehend definiert, sodass ECLASS eine effiziente, normkonforme Lösung anbieten kann. 

Wenn Kunden auf die ECLASS-Lösung vertrauen, haben sie mehr Ressourcen, um sich um das tatsächliche Beschaffen der Daten aus der Wertschöpfungskette zu kümmern. Dabei geht es nicht um die Höhe, Breite und das Gewicht des Produkts. Es geht um Daten aus der Wertschöpfungskette eines Produkts, mit denen sich beispielsweise der Carbon Footprint berechnen lässt. 

Ein sauber strukturierter Datenhaushalt ermöglicht außerdem enorme interne Effizienzgewinne – unabhängig vom DPP. Es lohnt sich also doppelt.

 

Mehr erfahren: eclass.eu/anwendung/digitaler-produktpass-dpp

Use Case: Digital Product Passport (DPP)

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