Hallo Thorsten! ECLASS hat die erste Version eines KI-gestützten Mappings zwischen ETIM und ECLASS fertiggestellt. Kannst du uns kurz abholen: Was sind die Hintergründe dieses Projekts?
Thorsten: Sehr gerne! Der ECLASS-Vorstand hat in seiner Strategie ganz klar beschlossen, künstliche Intelligenz als strategisches Werkzeug für die Weiterentwicklung unseres Standards einzusetzen. Gleichzeitig verbindet uns eine sehr enge, partnerschaftliche Kooperation mit ETIM.
Diese Kooperation sieht vor, dass wir den Mitgliedern beider Organisationen ein technisches und maschinenlesbares Mapping dieser beiden weltweit erfolgreichen semantischen Standards zur Verfügung stellen. Bisher wurde dieses Mapping von Fachexperten rein manuell kuratiert – eine enorm zeitintensive Arbeit. Genau an dieser Stelle setzen wir jetzt mit moderner Technologie an.
Was war die konkrete Motivation, dieses Projekt genau jetzt anzugehen?
Thorsten: Die Initialzündung kam von unserem ECLASS-Experten Josef Schmelter von Phoenix Contact. Er hatte gemeinsam mit dem ECLASS Head Office die Idee, diesen manuellen Mapping-Prozess durch den Einsatz von KI massiv zu beschleunigen und zu vereinfachen.
Man muss sich das so vorstellen: Beide Standards sind extrem tief, detailliert und inhaltsreich. Da gibt es einfach eine riesige Menge an Daten, die gemappt werden müssen. Die manuelle Zuordnung stößt da schnell an Kapazitätsgrenzen. Unsere Mitgliederversammlung – die ECLASS General Assembly – hat das Potenzial sofort erkannt und das Projekt entsprechend hoch priorisiert. Für uns ist das auch ein strategisches Pilotprojekt: Wir bauen hier wertvolles, innovatives Wissen auf, das als Blaupause für viele weitere KI-Projekte dieser Art dienen wird.
Wie funktioniert das KI-Mapping denn konkret in der Praxis?
Thorsten: Im Hintergrund arbeitet unsere „ECLASS AI Search“. Diese KI-Technologie bewertet und versieht gesuchte Inhalte mit intelligenten Scorings.
Im eigentlichen Prozess verknüpfen wir ETIM-Gruppen mit ECLASS-Klassen auf der ersten bis dritten Ebene. Die KI unterstützt uns dabei, indem sie die passenden Inhalte identifiziert und die Vorschläge präzise einschränkt. So können inhaltliche Übereinstimmungen auf Klassen-, Merkmal- und sogar auf Werteebene (Values) bewertet und direkt vorgeschlagen werden. Ein praktisches Beispiel: Sehr viele der zu mappenden ETIM-Klassen befinden sich im ECLASS-Segment 27 (Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik).
Sobald diese erste grobe Zuordnung vorgeschlagen und von einem Experten bestätigt wurde, grenzt das System den Suchraum für alle nachfolgenden Vorschläge automatisch weiter ein. Das macht das System im Verlauf immer präziser. Ganz wichtig ist mir dabei: Die KI nimmt niemandem die Arbeit weg, sondern assistiert. Die Letztentscheidung und die finale Festlegung der Mappings liegen immer noch beim menschlichen Experten.
Gibt es technische Besonderheiten oder Highlights, die das Projekt auszeichnen?
Thorsten: Absolut. Die technische Umsetzung basiert auf einer engen Zusammenarbeit zwischen dem ECLASS Head Office und unserem Technologiepartner BCON². Wir haben hier wirklich modernste Web- und KI-Technologien auf dem neuesten Stand der Technik eingesetzt.
Besonders stolz sind wir auf das neu entwickelte, hochgradig intuitive grafische Interface (UI). Uns war wichtig, dass die Anwendung für die Experten extrem einfach zu bedienen ist. Das Interface ist dreigeteilt aufgebaut: Auf der linken Seite sieht man die ETIM-Inhalte, auf der rechten Seite die ECLASS-Inhalte. In der Mitte schlägt die KI die passenden Zuordnungen vor, die dort mit wenigen Klicks final bestätigt und als fertiges Mapping gespeichert werden können. Das ist visuell extrem sauber gelöst und macht die Arbeit hocheffizient.
Wo steht das Projekt im Moment und wie sehen die nächsten Schritte aus?
Thorsten: Die erste Version des ETIM-ECLASS AI Mappings ist bereits erfolgreich ausgerollt. Aktuell befindet sich das System in einer intensiven Testphase. Ein ausgewählter Power-User und absoluter Fachexperte aus dem Kreis der ECLASS-Mitglieder prüft die Anwendung derzeit auf Herz und Nieren und stellt testweise die ersten echten Zuordnungen her.
Sobald diese Testphase erfolgreich abgeschlossen ist, werden wir im ECLASS-Gremium „Operating Arm“ zusammenkommen und das Feedback auswerten. Dort entscheiden wir dann ganz konkret über die weiteren Schritte und den breiteren Rollout.
Hand aufs Herz: Gibt es schon erste Erkenntnisse oder ein erstes Zwischenfazit?
Thorsten: Ja, und das fällt überaus positiv aus! Wir können jetzt schon sagen: Die App ist eine fantastische und extrem motivierende Unterstützung bei der Mapping-Arbeit. Die KI-Vorschläge sind erstaunlich präzise, absolut brauchbar und erleichtern den Arbeitsalltag unserer Experten massiv.
Das Projekt zeigt uns ganz deutlich, dass künstliche Intelligenz ein unverzichtbarer Helfer für die zukünftige Weiterentwicklung von ECLASS sein wird. Der ECLASS e.V. wird solche Technologien in Zukunft definitiv noch verstärkt und an vielen weiteren Stellen einsetzen.
Thorsten, vielen Dank für das spannende Gespräch und viel Erfolg für die nächsten Schritte im Projekt!